• Ortschaftsräte auf Exkursion

    Veröffentlicht am 16. 10. 2005 admin Kein Kommentar

    Exkursion des OrtschaftsratesExkursion der Ortschaftsräte der Gesamtgemeinde Eigeltingen zur Goldbacher Stollenanlage

    Unter der Leitung von Siegfried Rauch machten sich die Ortschaftsräte aus Homberg, Honstetten, Heudorf, Reute und Rorgenwies am Samstag, den 15. Oktober, auf den Weg nach Überlingen, um die im 2. Weltkrieg erbaute Stollenanlage bei Goldbach zu besichtigen. Es hatte zwar jeder schon über diese Stollen etwas gehört, aber gesehen hatte dieses von KZ-Arbeitern geschaffene Bauwerk noch keiner.

    Oswald Burger, einer von fünf ehrenamtlichen Führern und Mitbegründer des gemeinnützigen Vereins „Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch in Überlingen“ versuchte uns die Entstehungsgeschichte des Stollens und die heutige Nutzung näher zu erläutern.

    Mit dem Bau der Stollen wurde im Juni 1944 begonnen, nachdem am 28. April 1944 die gesamte Rüstungsindustrie in Friedrichshafen durch Bombenangriffe in Schutt und Asche gelegt worden war. Man muss wissen, dass in Friedrichshafen nicht nur der Zeppelin gebaut wurde, sondern wichtige Teile der Deutschen Kriegsproduktion für den 1. und 2. Weltkrieg hergestellt wurden. Bis in den 1. Weltkrieg hinein entstanden aus der Zeppelinschen Gründung vier miteinander verbundene Unternehmen mit über 11.000 Beschäftigten.

    Als erstes die Mutterfirma „Luftschiffbau Zeppelin“, die Motorenfirma „Maybach“, eine Hallenbaufirma unter der Leitung des Ingenieurs Claude Dornier, aus der schon im 1. Weltkrieg eine Flugzeugfabrik wurde, und die Getriebefirma „ZF-Zahnradfabrik“.

    Von 1919 an wurden die Anlagen dann für eine Friedensproduktion verschiedenster Art genutzt. Anstatt Luftschiffe, Flugzeuge oder Motoren und Getriebe für Panzer wurden nun Milchkannen, Automobile oder PKW-Getriebe hergestellt. Die verbotenen Flugzeugproduktion wurde in die Schweiz, in die Toskana oder nach Japan verlegt.

    Bis zum Ende des Dritten Reiches entwickelten sich alle vier Firmen wieder zu reinen Rüstungsbetrieben. In Friedrichshafen wurden Radar- und Peilanlagen, Fallschirme und Fesselballons hergestellt. Man beteiligte sich an der Entwicklung von Torpedos und Raketen.

    Alle Kettenfahrzeuge der Wehrmacht fuhren mit Maybach-Motoren, Dornier produzierte unterschiedliche Flugzeuge und die Zahnradfabrik Getriebe aller Art und ähnliche Produkte.

    Exkursion des Ortschaftsrates

    Nachdem also am 28. April 1944 die Produktion stillstand, wurde das Ausmaß der Schäden bereits einen Tag später vom Chef des Technischen Amtes, der eigens aus Berlin eingeflogen war, besichtigt und am 20. April dem „Führer“ vorgetragen. Dieser erließ daraufhin den Befehl, die Produktion bombensicher unter Tage zu verlegen. Der Befehl wurde bereits am 1. Mai in die Tat umgesetzt, und innerhalb von 100 Tagen sollte die Produktion in der unterirdischen Anlage wieder beginnen.

    Unter höchster Geheimhaltung wurde das Unternehmen „Magnesit“ in Angriff genommen. Anfang Juni begannen die Arbeiten mit 12 Mann. Diese kamen aber verständlicherweise nicht schnell genug voran. Deshalb wurden aus dem KZ-Dachau weitere Arbeiter angefordert. Im Oktober 1944 begannen sich an die 800 Zwangsarbeiter in den Berg zu wühlen, um 40.000 qm Produktionsfläche herzustellen. Bei Kriegsende waren etwas mehr als die Hälfte der Arbeiten erledigt.

    Wer mehr über diese Stollen, ihre Geschichte und heutige Nutzung wissen möchte, kann dies bei einer Führung erfahren oder im Buch „Der Stollen“ von Oswald Burger nachlesen.

    Alle Ortschaftsräte waren sich am Schluss, beim Ausklang im Gasthof Kreuz in Heudorf, darüber einig, dass es zwar ein kurzer Ausflug, dieser aber sehr interessant und lehrreich gewesen war.

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